Reise ans südöstliche Firmament

450 bildende KünstlerInnen präsentieren an zwei Wochenenden in 250 Ateliers und Atelierhäusern ihre Arbeiten. Damit liefern die Kunstpunkte ein Bild der vielfältigen Kunstszene in Düsseldorf. Marcus Kirzynowski wagte sich nach Reisholz, wo sich fernab der einschlägigen Szeneviertel viele KünstlerInnen angesiedelt haben.

Text: Marcus Kirzynowski

Schwachmaten

Cornelia Dietrich: Schwachmaten

Angeblich ist Düsseldorf die deutsche Stadt mit den meisten freien KünstlerInnen – noch vor Berlin. Mehr als 450 präsentieren sich und ihre Arbeiten jedenfalls an diesem und am letzten Wochenende bei den 14. Kunstpunkten. 252 Ateliers und Ateliergemeinschaften öffnen ihre Türen für das interessierte Publikum. Während am ersten Wochenende die nördlichen Stadtteile mitmachten, ist am 28. und 29. August der Düsseldorfer Süden dran, also Bilk & Co., aber auch die Außenbezirke von Eller bis Benrath.

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Begehbare Kunst: Hiroyuki Masayuma: "0"

Je abgelegener die Atelierhäuser, desto größer wird allerdings die Herausforderung, ohne Auto von Adresse zu Adresse zu kommen. In Reisholz beispielsweise haben sich in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von KünstlerInnen in ehemaligen Industriebauten angesiedelt: “Kunst im Hafen e.V.” in zwei Gebäuden im Güterhafen, gleich zwei Dutzend andere in einem Atelierhaus in der Walzwerkstraße.

Hirsch-Statue von Dirk Balke

Hirsch-Statue von Dirk Balke

Dirk Bahlke arbeitet im Reisholzer Hafen mit verschiedensten Materialien. Fundstücke wie Flaschen, Watte und Steine fügt er mit Ölmalerei zu Bildern und 3D-Objekten zusammen. Immer wieder taucht der Hirsch als Symbol in seinen Werken auf. “Um das Tier ranken sich viele Legenden”, erklärt er, “so durften weiße Hirsche früher nicht gejagt werden, weil das angeblich Unglück brachte.” Ein Werk von ihm heißt denn auch “Der rote Hirsch der lieber weiß sein wollte”.

Winnetou

Dirk Balke: Winnetou

Ein paar Räume weiter beschäftigt sich Eckart Roese mit “sanguinischer Malerei”. Der Begriff bezeichnet wie melancholisch und phlegmatisch eines der Temperamente, von denen die Menschen früher ausgingen, dass sie die Gefühlswelt bestimmen. Sanguinisch steht dabei für das leichte, optimistische Temperament.

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Sanguinische Malerei von Eckart Roese

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Sanguinische Malerei von Eckart Roese

Eine sinnlose Busfahrt – da der Bus wegen einer Sperrung auf der Henkelstraße seit Anfang des Jahres die Haltestelle gar nicht anfährt – und einen Fußmarsch später, stehe ich vor dem zweiten großen Atelierkomplex in Reisholz, auf der Walzwerkstraße.

Park

Installation von Hyesug Park

Vieles ist schwer nachvollziehbar und so freue ich mich, als ich die flächigen, gegenständlichen Gemälde von Cornelia Dietrich sehe. Die gebürtige Weimarerin setzt sich gerne mit Sprichwörtern und Sinnbildern auseinander und gibt Schweinehunden ebenso ein Gesicht wie Schwachmaten. Auch die Todsünden hat sie in Gemälde umgesetzt.

Völlerei

Eine der sieben Todsünden: Völlerei von Cornelia Dietrich

Letzter Tag der Kunstpunkte 2010: Sonntag, 29. August, 12 – 18 Uhr
Programm

Fotos: kir

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Gertrude Wertputt ( 8.09.2011, 23:39): Kommentar zu "Reise ans südöstl..."

Bilder erzahelen Geschichten und Gedanken.Tolles Werk,tolle Kunst,tolle Bilder,sehr begabend und sehr interessant.Auch von Dirk Bahlke war ich sehr beindruckt,da ich auch Oelmalerei sehr bevorzuge und Das Hirsch als Symbol dargestelltes Modell eine grandiose Arbeit des Gedankens!
Das Meisterkunstwerk,das ich am meisten loben moechte,ist das Bild von Cornelia Dietrich-Sieben Todessuenden!Eine sensationelle Arbeit.

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