Bausch oder Aus?

Ein Jahr ist das berüchtigte Sparkonzept der Stadt Wuppertal nun alt, das den Fortbestand des Schauspielhauses gefährdet. Das Theater lud jetzt zu einer Podiumsdiskussion über die Zukunft von Haus und Ensemble. Dabei ging es neben den leidigen Finanzen auch um neue Konzepte.

Text: Marcus Kirzynowski

Transparent

Protest für Kultur: Vor der Diskussion demonstrierten Theatermitarbeiter mit einer Mahnwache

Im Prinzip waren sich alle einig: Die Schauspielsparte der Wuppertaler Bühnen soll erhalten bleiben. So die einhellige Bekräftigung bei der Podiumsdiskussion, zu der das Theater anlässlich des ersten Jahrestages des städtischen Sparbeschlussses geladen hatte. Im vollbesetzten Kleinen Haus nannte Kulturdezernent Matthias Nocke (CDU) als oberste Priorität, beide Ensembles, Oper und Schauspiel, zu erhalten. Nur, ob man dazu unbedingt zwei gleichwertige Spielstätten braucht, müsse geprüft werden. Möglich sei beispielsweise auch, dass Sprech- und Musiktheater sich eine Bühne teilen, wie es derzeit bereits notgedrungen im Barmer Opernhaus geschehe. „Dafür, dass es nicht darauf ausgerichtet ist, klappt das erstaunlich gut“, so Nocke.

Auch Andreas Bialas, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, nannte als Ziel, beide Sparten zu erhalten. Das Haus müsse aber auch konzeptionell und inhaltlich weiter entwickelt werden. „Es ist gut, dass jetzt eine öffentliche Diskussion stattfindet, welche Kultur die Bürger wollen.“

Panel

Kaum Kontroversen: das Panel mit Oliver Keymis, Christian Esch, Ingeborg Wolff, Moderator Stefan Keim, Andreas Bialas, Matthias Nocke und Roland Schneider

Wie das zukünftige Konzept des Schauspielhauses aussehen könnte, darüber hat das ehemalige langjährige Ensemblemitglied Ingeborg Wolff ziemlich genaue Vorstellungen. Ein Pina-Bausch-Haus schwärmt der Schauspielerin vor, die heute im Aufsichtsrat der Wuppertaler Bühnen sitzt. Die Stadt könne ihrer berühmtesten Theatermacherin damit ein Denkmal setzen, indem sie ihr Archiv ins Haus an der Kluse hole und dort auch Tanznachwuchs ausbilde. „Es gibt jetzt eine Riesenchance, das Haus wieder zu dem zu machen, was es einmal war“, betonte Wolff. Kulturdezernent Nocke will auch die Uni einbinden, an der in einem Workshop Konzepte für die zukünftige Nutzung des Gebäudes gefunden werden sollten.

Ohne mehr Geld von Stadt oder Land nutzen allerdings die schönsten Konzepte nichts. Die Krise der Stadttheater könne nicht mit den Mitteln der Kulturpolitik gelöst werden, meinte der Vorsitzende des Landesverbandes des Deutschen Bühnenvereins, Roland Schneider. Nur eine Reform der Kommunalfinanzen könne helfen. Die Landesintendantengruppe der nordrhein-westfälischen Theater hatte eine Erhöhung des Landeszuschusses auf 20 Prozent gefordert. Bisher beträgt er, je nach Theater, nur drei bis zehn Prozent.

Landtags-Vizepräsident Oliver Keymis von den Grünen bekräftigte für die neue Landesregierung das grundsätzliche Ziel, sich den 20 Prozent anzunähern. Das sei in dieser Höhe aber noch nicht im nächsten Jahr machbar. Außerdem plädierte er für eine differenzierte Betrachtung je nach Notlage der einzelnen Städte statt für eine flächendeckende Erhöhung der Zuschüsse. Da war er sich mit seinem Koalitionskollegen von der SPD einig: „Ärmere Städte brauchen höhere Zuschüsse“, meinte auch Andreas Bialas. Um zu verhindern, dass die Theater bei finanziellen Krisen der Gemeinden ständig zur Disposition stünden, könne es helfen, Kultur zur kommunalen Pflichtaufgabe zu machen, sagte Keymis.

Der Einzige, der der Eintracht der versammelten Poltiker nicht so ganz traute, war Christian Esch vom NRW-Kultursekretariat: „Es sagen zwar immer alle, aber ich weiß nicht, ob der politische Wille wirklich immer da ist, Kultur zu erhalten.“

Fotos: kir

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