Später, teurer, schlechter
Für viele weiter viel zu teuer: Bus und Bahn in NRW
Die geplante Einführung eines Sozialtickets im VRR ist inzwischen so oft verschoben worden, dass die erneute Ankündigung mittlerweile eher wie ein Running Gag wirkt. Nur dass den Betroffenen das Lachen inzwischen vergangen ist. Erst sollte es im Herbst, dann zum Jahreswechsel kommen. Der neueste Beschluss der VRR-Verbandsversammlung sieht nun den 1. Juni 2011 als Einführungsdatum vor. Sicher ist das aber wieder nicht, denn das verbilligte Ticket soll weder den Verkehrsverband noch die Städte und Kommunen etwas kosten. Da die neue Landesregierung aus SPD und Grünen in ihrer Koalitionsvereinbarung 30 Millionen Euro Zuschüsse für Sozialtickets vorgesehen hat, könnte das sogar klappen. Jedoch wird das VRR-Ticket, sollte es tatsächlich kommen, wohl nicht viel mehr als eine Mogelpackung werden.
22 Euro 50 soll es nach dem jetzigen Beschluss kosten und nur innerhalb der Preisstufe A gelten – ohne Zusatzleistungen wie etwa Mitnahmemöglichkeiten oder die Erweiterung auf umliegende Städte am Abend oder Wochenende. Nicht einmal durch Kauf eines Zusatztickets soll es möglich sein, es für weitere Fahrten zu nutzen. Vor ein paar Monaten sah das alles noch ganz anders aus. Da war noch von einer Anlehnung an das Ticket 1000 die Rede, das abends für das gesamte VRR-Gebiet gilt. Und der Preis sollte um die 16 Euro liegen.
Auf einer Podiumsdiskussion im April nannte der Grüne Horst Becker, inzwischen Staatssekretär im Verkehrsministerium, als angemessenen Preis noch 15 Euro, was mit Landeszuschüssen auch zu ereichen sei. Jetzt gibt es die, aber das Ticket soll trotzdem 50 Prozent teurer werden. Es scheint den Grünen wohl wichtiger zu sein, sich überhaupt die Einführung eines Sozialtickets auf die Fahne schrieben zu können, auch wenn es seinen Namen kaum verdient.
11,68 Euro sind derzeit im Alg II-Regelsatz für Bus und Bahn vorgesehen. Knapp doppelt so teuer soll das Sozialticket nun werden. Dass im neuen Regelsatz wohl mehr Geld für den Nahverkehr berechnet sein soll, ist eh nur eine Milchmädchenrechnung. Denn dafür wurde an anderer Stelle kräftig gestrichen, damit der Satz insgesamt nur um fünf Euro steigt. Viele BezieherInnnen von Grundsicherung werden sich auch das neue Sozialticket schlicht nicht leisten können. Zumal, wenn jedes Familienmitglied ein eigenes braucht, weil sie niemanden kostenfrei mitnehmen können.
Und dass es nicht einmal auf die Nachbarstädte erweiterbar ist, macht es zusätzlich unattraktiv. So könnten viele sich nicht mal mit Sozialticket einen Besuch bei Verwandten oder Freunden leisten, die jenseits der Stadtgrenze wohnen. Gerade auf dem Land ist ein Ticket, mit dem man nicht einmal zum Einkaufen in die nächste Stadt fahren kann, schlicht ein Hohn.
Die nächste Tariferhöhung des VRR ist übrigens nicht so unsicher wie das Sozialticket: Sie beträgt durchschnittlich 3,9 Prozent und soll auch nicht erst im Juni kommen – sondern schon zum 1. Januar.
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