Wie am Prenzlauer Berg

Bionade-Bohème und Macchiato-Mütter gibt es nicht nur in Berlin: Auch Düsseldorf hat seine hippen Hotspots. Seit einigen Jahren gehört auch der Fürstenplatz dazu, hauptsächlich wegen der bar apartment. Von Freude und Leid in einem Szenecafé.

Text: Marcus Kirzynowski

apartment

Terrasse inklusive junger Mutter: bar apartment

Wenn die FAZ meint , Bilk und Friedrichstadt entwickelten sich in den vergangenen paar Jahren zu einem hippen, aufstrebenden Szeneviertel muss man ihr zumindest an einem Platz Recht geben: dem Fürstenplatz. Seit vor etwa zweieinhalb Jahren das Café bar apartment eröffnet hat, mitsamt angeschlossenem Laden für Mode und Designartikel, fühlt man sich in den Frühlings- und Sommermonaten dort desöfteren so, wie sich wohl auch alteingesessene Prenzlberger gefühlt haben, als vor einigen Jahren die Ökoschwaben rudelweise in ihrer Nachbarschaft einfielen.

Das Café hat zwei große Vorteile: zum einen eine supergünstig gelegene Terrasse. Die bekommt mehr Sonne ab als fast alle anderen Plätze in der Umgebung. Wenn etwa die Gäste vorm Café Knülle auf der Oberbilker Allee sommerabends längst im Schatten sitzen, wärmen zarte Sonnenstrahlen noch immer die BesucherInnen, die vor dem apartment ihren Kaffee schlürfen. Deshalb ist die Terrasse im Sommer auch nachmittags und abends praktisch immer besetzt, frei werdende Plätze hart umkämpft.

Zweiter Vorteil: das umfangreiche Angebot an ausgelegten Zeitschriften. Vom Musikexpress und Monopol über Prinz und Neon bis zur brand eins ist hier fast alles verfügbar, was hip, kulturell hochwertig und für junge und jung gebliebene Menschen lesenswert ist. Hinzu kommen eine originelle Inneneinrichtung aus Designermöbeln und –lampen sowie wechselnde Kunstausstellungen an den Wänden, so dass man es sich auch bei schlechtem Wetter im Inneren gemütlich machen kann. Abends gibt es regelmäßig Comedy, Partys und Mitmach-Fotoaktionen .

Der größte Nachteil: Diese Mischung aus modern und retro, aus behaglich und stylish lockt auch all die Bionade-JüngerInnen und „Irgendwas mit Medien“-MacherInnen aus der Nachbarschaft an. So ist die Laptopdichte an manchen Tagen fast so hoch wie im Unihörsaal und die Gespräche an den Nachbartischen drehen sich auffallend häufig um Fragen von Jobwahl, Jetset und Joga-, verzeihung, Yogakurs. Dazu kommen dann oft noch die Macchiato-Mütter und -Väter, die bei schönem Wetter mit ihren Kleinen auch auf dem benachbarten Fürstenplatz-Spielplatz zu finden sind. Zum Glück trauen sich aber auch ganz unprätentiöse Menschen in und vor das Café. Manchmal sieht man sogar Gäste über 50.

Während das Café also trotz relativ hohen Schicki-Micki-Faktors durchaus auch für Normalsterbliche empfehlenswert ist, um einen Milchkaffee oder ein Bier zu trinken, lässt sich das für Menschen mit leerem Magen nur bedingt sagen. Ein Snack wie etwa eine Quiche kann hier nämlich schon mal eher das Portemonnaie leeren als den Bauch füllen. Aber man kann sich ja auch einfach nach dem Kaffee ein Teilchen vom Bäcker holen und es auf einer der Bänke rund um den Fürstenplatz genießen. Wenn nicht schon alle von Macchiato-Eltern belegt sind.

Fürstenplatz 5, Düsseldorf-Friedrichstadt
Öffnungszeiten: Mo. – Fr: 9:00 – 22:00
Sa. / So. : 10:00 – 22:00

Foto: kir

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Flusskiesel ( 5.05.2011, 10:06): Kommentar zu "Wie am Prenzlauer..."

Huch!
Ist mein letzter Kommentar ist irgendwie verschwunden.

Mit "natürlichem" Austausch meine ich die natürliche Fluktuation in einem Stadtviertel durch Wegzug aus beruflichen Gründen oder weil sich familiär etwas geändert hat oder durch Geburt und Tod von Bewohnern.

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Flusskiesel ( 4.05.2011, 11:44): Kommentar zu "Wie am Prenzlauer..."

Mit "natürlichem Austausch" meine ich die ganz normale Fluktuation in einem Stadtviertel durch Wegzug bei Jobwechsel oder Heirat, bei Familienzuwachs oder wenn jemand stirbt.

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t... (21.04.2011, 21:58): Kommentar zu "Wie am Prenzlauer..."

@Flusskiesel "natürlichen" Austausch???!
Du meinst das "Recht des Stärkeren" (Zahlungskräftigeren)? Finde ich zynisch! Darwin lässt grüßen!

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Flusskiesel (18.04.2011, 15:13): Kommentar zu "Wie am Prenzlauer..."

Ich denke, bei der Gentrifizierung treten die Probleme vor allen Dingen auf, wenn sie zu schnell voranschreitet - was teilweise auf Spekulationen zurückzuführen ist.
Dann werden die Schwächeren Einwohner eines Viertels von der Entwicklung überrollt und sie werden verdrängt.
Entwickelt sich ein Stadtviertel langsamer, gibt es zwar auch eine Verdrängung, aber eben nach und nach und mehr im Zuge eines "natürlichen" Austausches der Einwohnerschaft (also über die normale Fluktuation).
In Ehrenfeld ist mir das vor allen Dingen an der Subbelrather Straße aufgefallen (ein Freund von mir wohnt da und dort um die Ecke habe ich auch mal gewohnt). Wo früher schrammelige und schmuddelige Eckkneipen waren, sind später Dönerbuden hingekommen und jetzt gibt es mehr und mehr Cafés und schicke Käseläden.
Wie schnell dort die Entwicklung ist, kann ich allerdings nicht abschätzen.

Marcus (17.04.2011, 19:20): Kommentar zu "Wie am Prenzlauer..."

In Ehrenfeld sammeln sich wohl in den Nebenstraßen der Venloer die schicken Geschäfte und hippen Kneipen an, die Venloer selbst erschien mir letztes Jahr allerdings noch sehr gemischt frequentiert.

Das Ganze ist halt sehr zwiespältig. Einerseits möchte jeder in einem Viertel mit netten Cafés und viel Kultur wohnen, andererseits wird's kritisch, wenn das gesamte Straßenbild nur noch von hippen, erfolgreichen Leuten geprägt wird und ältere oder ärmere Leute wie ein Fremdkörper wirken.

Dass mit dem Aufwerten des Stadtteil durch meine Anwesenheit nach dem Studienabschluss hat bei mir leider nicht geklappt. ;)

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Flusskiesel (15.04.2011, 12:16): Kommentar zu "Wie am Prenzlauer..."

Ja, um die gute alte Lorettostraße edelt es sich langsam los. Das habe ich bei meinen Mittagsspaziergängen schon gesehen.
Ich finde es interessant, wie einem solche Entwicklungen auffallen, wenn man erst mal darauf achtet. Ein solches Erlebnis hatte ich letztens, als ich mal wieder der erste Mal seit langem Köln-Ehrenfeld besucht habe.
Da sieht das nämlich ähnlich aus.
Ich habe ja den Verdacht, dass gerade Akademiker gerne dort wohnen bleiben, wo sie schon als Studenten gewohnt haben und so ganz automatisch ein Viertel nach ein paar Jahren aufwerten.

Marcus (14.04.2011, 14:21): Kommentar zu "Wie am Prenzlauer..."

Für Bilk mMn weniger, aber noch viel stärker als für Friedrichstadt gilt es für Unterbilk. Dazu hab ich grad neulich was in meinem Medienjunkie-Blog geschrieben: http://medienjunkieblog.wordpress.com/2011/04/08/die-grenze-zu-gentrifikan/.

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Flusskiesel (14.04.2011, 14:09): Kommentar zu "Wie am Prenzlauer..."

Für Bilk gilt das eher nicht?
Ich lebe zwar schon seit einiger Zeit nicht mehr in D'Dorf, aber irgendwie habe ich hier das Gefühl einer langsam fortschreitenden "Veredelung" des Viertels.

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