In der Atomstromfalle mit den Stadtwerken

Ökostrom? Ja, gerne. Für MieterInnen mit Nachtspeicherheizung ist dieser in Düsseldorf aber leider nur zu horrenden Mehrkosten zu haben. Denn die Stadtwerke bieten in ihrem Ökostromtarif keinen verbilligten Nachtstrom an.

Text: Marcus Kirzynowski

Sonne

Schön wär's: Atomkraftfreier Strom für alle

Die aktuelle Atomkatastrophe in Japan ruft verstärkt ins Bewusstsein, wie wichtig der Umstieg auf regenerative Energien ist. Als Privatperson und Wohnungsmieter lässt sich meistens leider nicht viel machen, um diesen zu fördern – außer auf Ökostrom umzusteigen. Hat man allerdings das Pech, in einer Mietwohnung mit Nachtspeicherheizung zu wohnen, besteht zu annehmbaren Kosten nicht einmal diese Möglichkeit, jedenfalls nicht in Düsseldorf.

Eine Stromheizung ist im Vergleich mit anderen Heizungsarten eh besonders umweltschädlich. So verursacht sie etwa doppelt so hohe CO2-Emissionen wie eine Ölheizung. Deshalb gelten Elektroheizungen auch als Auslaufmodelle, die vom Gesetzgeber in den nächsten Jahrzehnten, je nach Alter, nach und nach verboten werden. Bis dahin muss man als Mieter allerdings nicht nur den höheren Schadstoffausstoß hinnehmen. Man kann dies noch nicht einmal durch Ökostrom kompensieren – es sei denn man zählt zu den Besserverdienenden.

Den gegenüber dem Tagstrom wesentlich billigeren Nachtstrom zu 14,43 Cent pro Kilowattstunde (kWh) liefern die Stadtwerke Düsseldorf nämlich nicht bei ihrem Ökostromtarif. Bei diesem „Naturrhein-Strom“ genannten Angebot muss der Kunde für den Nachtstrom dasselbe zahlen wie für den tagsüber geltenden „Normaltarif“, nämlich aktuell 23,07 Cent. Das ist übrigens auch der Preis für Tagstrom nach dem Standardvertrag.

Wer also keine Stromheizung hat, zahlt bei den Stadtwerken genauso hohe Verbrauchspreise für Öko- wie für „Normalstrom“. Wer auf eine Stromheizung angewiesen ist, müsste jedoch im Ökotarif gegenüber dem Standardtarif etwa 8 ½ Cent pro kWh mehr für den Nachtstrom bezahlen. Da dieser eh einen Großteil des gesamten Stromverbrauchs ausmacht, würde das eine etwa 50 Prozent höhere Stromrechnung bedeuten – was sich wohl kaum jemand leisten kann. Auf der Webseite der Stadtwerke findet sich übrigens kein Hinweis dazu, dass der Naturrhein-Stromtarif nicht nach Tag- und Nachtstrom unterscheidet.

Und was ist mit dem liberalisierten Strommarkt? JedeR VerbraucherIn kann ja seit einigen Jahren angeblich seinen Energieversorger frei wählen. Auch diese Möglichkeit ist aber in Düsseldorf eine rein theoretische, wenn man eine Nachtspeicherheizung nutzen muss. „Kein sogenannter Fremdversorger, sei er nun Ökostromanbieter oder einfach nur ‚Egalstrom’-Verkäufer bietet einen niedrigeren Tarif für Nachtstrom“, so der reine Ökostromanbieter Elektrizitätswerke Schönau auf seiner Webseite .

Das liege daran, dass die Alternativanbieter nachts weder für die Nutzung des Netzes noch für den verbrauchten Strom weniger an die örtlichen Versorger zahlen müssten. Stattdessen stellten die Stadtwerke ihnen auch noch höhere Kosten für einen Doppeltarifzähler in Rechnung, der bei Nachtspeicherheizungen notwendig ist. Der Endkunde muss also auch noch eine höhere Grundgebühr zahlen.

Die Stadtwerke selbst könnten in ihrem eigenen Netz natürlich sehr wohl auch bei Ökostrom einen niedrigeren Nachttarif anbieten, so wie sie es ja auch beim Standardtarif machen. Tun sie aber nicht. Wer also in einer Mietwohnung mit Nachtheizung lebt, ist an die Stadtwerke und ihren Atomstrom gefesselt. Einzige Alternativen: eine horrende Stromrechnung oder Ausziehen.

Abb.: PR

Dein Kommentar