Das Leiden des Künstlers

Nach ihrem Überraschungserfolg "Persepolis" kommt der zweite Film nach einer Graphic Novel von Marjane Satrapi in die Kinos. Auch "Huhn mit Pflaumen" hat sie wieder selbst adaptiert, diesmal jedoch als Realfilm mit Trickelementen.

Text: Marcus Kirzynowski

Huhn

Die zwei großen Leidenschaften des Nasser-Ali (Mathieu Amalric): Er spielt Geige für seine Liebe Irâne (Golshifteh Farahani)

Mit der Adaption ihrer Graphic Novel „Persepolis“ gelang der aus dem Iran stammenden Französin Marjane Satrapi und ihrem Co-Regisseur Vincent Paronnaud 2007 der bislang wohl beste Zeichentrickfilm für Erwachsene. Für die Verfilmung eines weiteren ihrer Comics haben sich die Beiden jetzt erstmals – von einigen kurzen Tricksequenzen abgesehen – dem Realfilm zugewandt. „Huhn mit Pflaumen“ entführt die Zuschauer in ein märchenhaftes Teheran der 1950er Jahre. Nachdem seine ungeliebte Frau im Streit seine Violine zerbrochen hat, beschließt der berühmte Geiger Nasser-Ali zu sterben. Während er im Bett auf den Tod wartet, entfaltet sich in Rückblenden und Zukunftssprüngen seine Familienchronik, die zugleich die der Familie Satrapis ist.

Leider gelingt es dem Film über weite Strecken nicht, die Zuschauer in die Erzählung hinein zu ziehen, dazu bleibt diese zu episodisch und zerstückelt. Auch die Künstlichkeit, die die Filmemacher versucht haben, vom Animations- in den Realfilm hinüber zu retten, wirkt dabei eher hinderlich. Immerhin gelingen ihnen dank dieser Stilmittel aber einige recht witzige irreale Sequenzen, etwa eine alternative Version von Sokrates’ Tod oder die Abbildung einer typisch amerikanischen Familie inklusive wegen Fettleibigkeit der Tochter unentdeckter Schwangerschaft.

Trotz eines hochklassigen Ensembles (u.a. Isabella Rossellini) bleiben die großen Gefühle aber lange Zeit nur behauptet. Mathieu Amalric (der Locked-In-Syndrom-Patient aus „Schmetterling und Taucherglocke“) spielt den todtraurigen Musiker als liebenswerten, etwas weltfremden Tölpel. Erst in den letzten zwanzig Minuten, wenn wir Zeuge seiner Begegnung mit der wunderschönen Irane (Golshifteh Farahani) werden, gewinnt der Film an emotionaler Tiefe. Durch die Schilderung dieser unglücklichen Liebe begreifen wir endlich, was den Geiger zu einem so großen Künstler gemacht hat – und weswegen er seinen Lebenswillen verloren hat. Trotz dieses ergreifenden Finales bleibt der Film aber weit hinter seinem Vorgänger zurück.

D/F/B 2011 R. und B.: Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud. Mit Mathieu Amalric,Maria de Medeiros, Golshifteh Farahani, Isabella Rossellini. 90 Min. Kinostart: 5. Januar, in Düsseldorf im bambi, Klosterstraße 78

Foto: Prokino Filmverleih GmbH

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