The Naked City (I): Dirk, der Baumeister
Vielleicht ist unser geschätzter Oberbürgermeister Dirk Elbers ja einfach ein heimlicher Anhänger des Keynesianismus’. Und die ganzen Großbaustellen in städtischem Auftrag sind in Wahrheit eine gewaltige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme aka nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik. Anders ist ja auch nicht logisch zu erklären, warum die Stadtspitze rund um Kö und Altstadt im wahrsten Sinne des Wortes zwei Baustellen gleichzeitig aufmachen musste.
Dass ein U-Bahnbau kein Kinderspiel ist, den man mal eben so nebenbei erledigen kann, hätte man ja ohne Weiteres durch einen Kurzbesuch in unserer geliebten südlichen Nachbarmetropole lernen können (nein, ich meine nicht Leverkusen). Wobei man bei der Beteiligung von Bilfinger-Berger ja schon froh sein kann, dass unsere tolle neue Wehrhahnlinie bisher nicht mehr Opfer gefordert hat als Manes Meckenstocks Haus der Freude an der Bilker Allee. Gut, vielleicht noch einige kleinere Einzelhändler auf der Kasernenstraße, aber ein bisschen Schwund ist halt immer.
Dafür wird ja alles ganz toll und neu und vor allem Autofahrer-freundlich, wenn’s erst mal fertig ist. Und dass es den Autofahrern gut geht, scheint unserer städtischen CDU ja immer besonders am Herzen zu liegen. Fahrradfahrer spielen in ihrem Verkehrskonzept hingegen eine eher untergeordnete Rolle. Will man mit dem Radel von der Kö in den Hofgarten fahren oder wieder hinaus, muss man sich beispielsweise jede zweite Woche von Neuem fragen, wo jetzt eigentlich der Weg lang gehen soll: Am Kaufhof vorbei über den Bürgersteig und dabei schnell noch ein paar Fußgänger aufschrecken? Ging bis vor Kurzem noch, jetzt steht da aber auch ein Bauzaun vor.
Dafür haben die Baufirmen ganz nebenbei allen BMX-Fans einen schönen Hindernisparcours direkt neben das Steigenberger Parkhotel gebaut: erst einen sandigen Hügel runter, an der anderen Seite wieder hoch, und dann scharf rechts auf den Parkplatz, an den verdutzten Portiers vorbei, über die Kreuzung, und dann mal weiter sehen, wo die Bauarbeiten heute eine Lücke für den Verkehr gelassen haben. So viel Engagement für MotoCross-Anhänger ist in Zeiten leerer öffentlicher Kassen ja auch nicht unbedingt selbstverständlich!
Andererseits hat unsere schöne Landeshauptstadt ja als einzige weit und breit immer noch genug Geld. Da kann man doch ruhig noch ein zweites Fass aufmachen. Dachten sich wohl auch Elbers & Co. und begannen gleich nebenan mit der Umgestaltung von Schadow- und Jan-Wellem-Platz aka „Kö-Bogen“. Das Problem, den Autoverkehr durch den Hofgarten von ober der unter die Erde zu verlegen, scheint man dadurch lösen zu wollen, dass man den Park einfach zuschüttet und später ganz neu gräbt.
Nur die armen Schwäne und Enten im Parkweiher ahnen noch nichts von ihrem fürchterlichen Schicksal, und wiegen sich in trügerischer Sicherheit. Ebenso wie die von auswärts kommenden Hotelgäste des zweiten Luxusetablissemnts am Platze, dem Breidenbacher Hof. Die bei ihrer Buchung bestimmt auch nicht ahnen, dass direkt unter den Fenstern ihrer ein paar Hundert Ocken kostenden Suites eine tumultöse Tunnelbohrmachine zum Einsatz kommt. Naja, bestellt man sich halt etwas mehr Schampus zum Einschlafen.
Demnächst soll ja dann auch noch der Oberbilker Markt zuplaniert, äh, umgestaltet werden. Da kann man dann bestimmt auch nicht mehr mit dem Fahrrad vorbei fahren. Muss man aber ja auch nicht, da man das am architektonisch so gelungenen neuen B8-Center auf der anderen Seite der Brücke ja eh nirgends anschließen kann. Ach Düsseldorf, du Perle des Rheinlandes! Ich kann gar nicht verstehen, warum manche deiner EinwohnerInnen ernsthaft darüber nachdenken, nach Köln umzuziehen.
Foto: kir

